Wie mein Stundensatz entsteht: transparent kalkuliert und tragfähig

Ausgangspunkt: unser reales Leben

Mein Stundensatz entsteht aus einer einfachen Kalkulation: aus Lebenshaltungskosten, verfügbarer Arbeitszeit und den Rahmenbedingungen selbständiger Arbeit.

Für meine Familie rechne ich derzeit mit einem Ziel-Netto von 4.000 Euro im Monat. Diese Größe orientiert sich an unserem tatsächlichen Alltag. Wir leben autofrei, bewegen uns vor allem mit Fahrrad und öffentlichem Verkehr und verbringen freie Zeit weitgehend im Nahbereich. Für Lebensmittel geben wir vergleichsweise viel aus, weil wir überwiegend Bio kaufen. In dieser Summe steckt der laufende Familienalltag. Für Altersvorsorge, größere Rücklagen oder besondere Belastungen bleibt darin nur begrenzter Spielraum. Unsere Ausgaben im ersten Quartal 2026 stützen diese Größenordnung. Bei den Lebensmitteln zeigt sich ein Monatsbedarf von grob rund 1.000 Euro, dazu kommt ein deutlicher laufender Wohnblock.

Arbeitszeit: 20 abrechenbare Stunden pro Woche

Gleichzeitig ist meine abrechenbare Zeit bewusst begrenzt. Ich setze für bezahlte Arbeit ungefähr 20 Stunden pro Woche an.

Der Rest meiner Zeit fließt in Familie, Haushalt, Care-Arbeit, Organisation und eigene Praxis. Ich trage die Hälfte der Care-Arbeit und Hausarbeit. Dazu kommen täglich ungefähr drei Stunden für Sport und Sādhanā.

Für meine Kalkulation zählt deshalb nicht nur die einzelne Arbeitsstunde. Entscheidend ist, wie viele Stunden pro Woche tatsächlich abrechenbar sind und was diese Stunden im Ganzen tragen müssen.

Der erste Rechenschritt: 4.000 Euro netto im Monat

Mein Ziel-Netto liegt derzeit bei 4.000 Euro im Monat. Auf das Jahr gerechnet sind das 48.000 Euro, die für unseren privaten Bedarf zur Verfügung stehen sollen.

Von dort aus rechne ich nach oben. Als Selbständiger trage ich Krankenversicherung und Pflegeversicherung selbst. Für 2026 liegen der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung bei 14,6 Prozent, der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 2,9 Prozent und die Pflegeversicherung bei 3,6 Prozent. Zusammen ergibt das 21,1 Prozent. Ab einem bestimmten Einkommen greift dabei eine Deckelung über die Beitragsbemessungsgrenze. In meiner Überschlagsrechnung führt das zu einer jährlichen Belastung von rund 14.700 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung.

Der zweite Rechenschritt: Steuern

Hinzu kommen die Steuern. Für 2026 liegt der Grundfreibetrag bei 12.348 Euro. Bei einem Einzelunternehmen kommt außerdem die Gewerbesteuer dazu. In Göttingen gilt dafür ein Hebesatz von 430 Prozent. In meiner überschlägigen Rechnung ergibt sich daraus zusammen mit der Einkommensteuer eine Größenordnung von rund 16.800 Euro im Jahr, aufgeteilt auf ungefähr 8.300 Euro Gewerbesteuer und 8.500 Euro Einkommensteuer nach Anrechnung der Gewerbesteuer. Diese Werte sind als realistische Näherung zu verstehen.

Das Ergebnis: der erforderliche Jahresbetrag

Wenn ich also

  • 48.000 Euro Ziel-Netto
  • rund 14.700 Euro Kranken- und Pflegeversicherung
  • rund 16.800 Euro Steuern

zusammenziehe, lande ich bei einem erforderlichen Jahresbetrag von ungefähr 79.500 Euro.

Diese Summe muss mein Modell im Jahresdurchschnitt tragen, damit privater Bedarf, Sozialversicherung und Steuern zusammen aufgehen.

Vom Jahresbetrag zum Stundensatz

Daraus ergibt sich mein Ziel-Stundensatz.

Wenn ich mit 20 abrechenbaren Stunden pro Woche und idealisiert mit 52 Wochen im Jahr rechne, komme ich auf rund 76,44 Euro netto pro Stunde. Rechne ich realistischer mit 46 Wochen, also mit etwas mehr Luft für Urlaub, Krankheit, Leerlauf und Organisation, lande ich bei rund 86,41 Euro. Bei 44 Wochen ergeben sich rund 90,34 Euro.

Für mich ist daher ein durchschnittlicher Ziel-Stundensatz im Bereich von etwa 80 bis 90 Euro netto eine stimmige Größenordnung.

Mein Stundensatz als Durchschnitt

Wichtig ist mir dabei ein Punkt: Dieser Wert beschreibt einen Durchschnitt.

Gemeint ist also nicht, dass jede einzelne Stunde denselben Preis haben soll. Dafür habe ich ja mein solidarisches Preismodell. Gemeint ist der Satz, den mein Modell über das Jahr hinweg im Mittel erreichen muss. Einzelne Aufträge können darunter liegen, andere darüber. Entscheidend ist, dass der Durchschnitt tragfähig bleibt.

Transparenz statt Preisetikett

Ich verstehe meinen Stundensatz deshalb als Ergebnis einer realen Rechnung mit Zeit, Verantwortung und Lebenshaltungskosten.

Genau daraus entsteht die Zahl, mit der ich arbeite.

Zuletzt aktualisiert am 2. April 2026.