Über Geld sprechen – und worum es dabei eigentlich geht

Die Frage, wie ich über Geld spreche, begleitet mich schon lange.

Am Anfang wollte ich diese Gespräche vermeiden. Diskussionen über Preise empfand ich als mühsam, manchmal auch als ausweichend vom Eigentlichen. Die Idee, den Stundensatz meiner Kund:innen als Grundlage zu nehmen, erschien mir praktisch und fair – und ehrlich gesagt auch entlastend. Ich musste weniger über Geld reden.

Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Ich diskutiere heute mehr über Geld als je zuvor. Vor allem mit Privatpersonen und in komplexeren Konstellationen. Und mit der Zeit wurde mir klar: Es geht dabei selten um Geld.

Sobald ein Preis nicht einfach feststeht, sondern hergeleitet wird, beginnen Menschen zu denken. Über Wert. Über Arbeit. Über Verantwortung. Über das eigene Verhältnis zu Geld. Sehr schnell sind wir mitten in Fragen, die weit über eine Rechnung hinausgehen.

Und genau dort wird es gesellschaftlich.

Geld ist ein starkes Projektionsfeld. Es berührt Sicherheit, Würde, Macht, Scham, Freiheit. Wenn darüber gesprochen wird, tauchen oft unausgesprochene Annahmen auf: was etwas „wert sein darf“, wer „sich was leisten kann“, was gerecht erscheint und was nicht.

Hier helfen mir zwei Bezugssysteme, die auf den ersten Blick wenig mit Preislisten zu tun haben: Yoga und gewaltfreie Kommunikation.

Die Yamas und Niyamas geben mir Sprache für das, was sonst diffus bleibt.
Asteya erinnert mich daran, nicht zu nehmen, was mir nicht zusteht – weder materiell noch emotional.
Satya fordert Klarheit und Transparenz, auch wenn sie Reibung erzeugt.
Ahimsa sorgt dafür, dass diese Klarheit nicht verletzt, sondern in Beziehung bleibt.

Die gewaltfreie Kommunikation ergänzt das auf einer sehr praktischen Ebene. Sie lenkt den Blick weg von Positionen und hin zu Bedürfnissen. Wenn Menschen über Preise diskutieren, geht es oft um Sicherheit, Anerkennung, Fairness oder Selbstbestimmung. Geld ist dabei nur die Oberfläche.

Mein Preismodell ist für mich kein Trick und kein Schutzmechanismus. Es ist ein Gesprächsanlass. Eine Einladung, über Werte zu sprechen, die unsere Gesellschaft prägen – Leistung, Zeit, Verantwortung, Solidarität.

Nicht jede Person möchte dieses Gespräch führen. Das ist in Ordnung.
Wer sich darauf einlässt, kommt selten unverändert heraus.

Heute weiß ich:
Ich wollte die Diskussionen anfangs vermeiden.
Heute schätze ich sie – weil sie sichtbar machen, wie sehr Fragen nach Geld Fragen nach unserem Miteinander sind.

Als Inspiration zum Thema empfehle ich das Fragenset von beherzt.net!

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2026.